3’129 Schulkinder für drei Minuten blind

Wie man sich ohne Sehvermögen orientiert, das erfuhren 3’129 Schülerinnen und Schüler aus dem Kanton Aargau seit dem Start des Erlebnismobils der CBM Christoffel Blindenmission.

(Bild: Markus Steinemann) Im Erlebnismobil der CBM Christoffel Blindenmission geht es auch darum, die Sinne zu testen

Was nehme ich ohne Augenlicht über das Tasten, Hören und Riechen wahr? Welchen Herausforderungen stehen blinde Personen gegenüber? Das Erlebnismobil der CBM Christoffel Blindenmission gibt Schülerinnen und Schülern Antworten auf diese und andere Fragen rund um das Thema Blindheit. Ausgerüstet mit einem Langstock und einer Milchglasbrille tasten sich die Schulkinder durch einen zwölf Meter langen Gang. Die Brille simuliert den Grauen Star im Endstadium. Die Kinder und Jugendlichen können dadurch nur noch Hell und Dunkel unterscheiden und erleben so selber, wie es ist, sich ohne Sehsinn zu orientieren. Seit Beginn des Angebots im Jahr 2010 machten 3’129 Schülerinnen und Schüler aus dem Kanton Aargau diese besondere Erfahrung, und insgesamt 18’161 Schulkinder aus der Deutschschweiz und Liechtenstein.

Vielseitiges Programm
Der Gang im Erlebnismobil zeigt auf, welche Hindernisse blinde Menschen in ihrem Alltag bewältigen. Der Boden des Mobils verändert sich mehrmals, und man wird von Herabhängendem überrascht. Die Wände weisen mal raue, mal andere Flächen auf. Zudem können die Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Gegenstände ertasten, erriechen und erlauschen. «Es ist etwas erschreckend, wie man sich fühlt», erzählt eine Schülerin. Der Erlebnismobil-Verantwortliche Beat Schneider hält diesem regelmässigen Eindruck jeweils entgegen: «Kaum jemand sieht plötzlich einfach nichts mehr. Die meisten blinden Menschen sind von klein auf blind oder ihr Sehvermögen hat sich nach und nach verringert. In der Schweiz erhalten sie ein Training, um sich selbständig zurechtzufinden und am Leben teilzunehmen.»

Auf dem Schulgelände zeigt er den Schülerinnen und Schülern ausserdem, wie sie im Alltag Menschen mit Behinderungen begegnen und ihnen assistieren können. «Viele Menschen fühlen sich unsicher, wenn sie eine blinde oder eine Person mit einer anderen Behinderung sehen, die Hilfe benötigt», so Schneider.

Blindheit in der Schweiz und in Armutsgebieten
Die auf der Aussenwand des CBM-Erlebnismobils abgebildeten Kinder schlagen den Bogen zu augenkranken Kindern und Erwachsenen in Armutsgebieten. Nachdem die Schülerinnen und Schüler den Tastgang im Mobil absolviert haben, folgen altersgerecht verpackte Informationen zu den weltweiten Ursachen von Blindheit. Kurzfilme illustrieren die Unterschiede zwischen dem Leben blinder Menschen in der Schweiz und in den Armutsgebieten: Etwa, dass es dort nur wenige öffentliche Gebäude und Einrichtungen gibt, die barrierefrei sind, sowie kaum Kliniken, Blindenschulen und -verbände. Oder dass sich augenkranke Menschen in Armutsgebieten die rettenden Behandlungen in der Regel nicht leisten können. Welche Folgen das für die betroffenen Menschen hat, thematisiert der Verantwortliche des Erlebnismobils zusammen mit den Schülerinnen und Schülern.

Die Doppellektion rund um das Erlebnismobil ist kostenlos. Sie sensibilisiert für die Herausforderungen von Menschen mit Behinderungen und macht die weltweite CBM-Arbeit bekannter, ohne dass um Spenden geworben wird. Das gesamte Angebot ist nicht nur bei den Schulkindern beliebt: «Viele Kinder und Jugendliche kennen sich mit dem Thema Behinderung kaum aus, ausser sie haben selber eine Behinderung oder jemand aus ihrem engsten Umfeld. Das wollte ich mit dem Besuch des Erlebnismobils ändern. Und das ist auf positive Art und Weise gelungen», berichtet eine Lehrerin.

pd

www.cbmswiss.ch

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