«Natur findet Stadt» – ein Erfolgsprojekt

Das Projekt «Natur findet Stadt» wird in verschiedenen Gemeinden des Kanton Aargau umgesetzt. Diese Gemeinden unterstützen die naturnahe Gestaltung in privaten Gärten, Arealen und öffentlichen Flächen.

(Bild: zVg) Das Projekt «Natur findet Stadt» stösst auf grosses Interesse

«Natur findet Stadt» wurde 2015 von der Stadtökologie Baden und dem Kampagnenforum entwickelt und in Baden und Ennetbaden mit Unterstützung des Kantons umgesetzt. 2017 hatte der Kanton Aargau die Rechte am Projekt übernommen und diverse Anpassungen vorgenommen. Seit 2018 ist das Projekt für alle Aargauer Gemeinden offen. 2018 erfolgte die erfolgreiche Lancierung in Aarau, Mellingen und Wohlen. Private Balkon- und Gartenbesitzerinnen und -besitzer wurden motiviert, kleinere oder grössere Flächen naturnah einzurichten. Die Stadt Aarau und die Gemeinden Mellingen und Wohlen gingen 2018 als Vorbild voran und werteten als Projektstart je eine öffentliche Fläche ökologisch auf.

Schneeballprinzip für Igel & Co.
Die gemeindeeigenen Aufwertungen wurden den interessierten Einwohnerinnen und Einwohnern vorgestellt, um diese zu animieren, im eigenen Garten oder auf dem Balkon aktiv zu werden. Dabei wurden Gartenberatungen für private Balkon- und Gartenbesitzerinnen angeboten. So konnten die Teilnehmenden danach selbst oder mit Hilfe eines Gärtners Teile ihres Gartens oder Balkons zu kleinen Naturoasen umgestalten. Nach dem «Tupperware-Prinzip» haben einige Gartenbesitzer ihre Gartenprojekte mit einem Apéro ihren Nachbarn und Freundinnen vorgestellt. Mit ihrer eigenen Begeisterung haben sie zur Nachahmung angeregt. Auf die Weise wird die Idee der naturnahen Grünflächen- und Gartengestaltung weiter verbreitet.

Naturverliebte Aarauer
In Aarau startete das Projekt im Frühling mit der Pflanzung einer Wildhecke auf dem Zurlinden-Spitz. Schon vor dem offiziellen Startschuss meldeten sich 10 Interessierte an. Der Projektstart – unter anderem mit auffälligen orangen Plakaten in der Altstadt angekündigt – wurde also bereits ungeduldig erwartet! Viele Anlässen begleiteten das Projekt vom Frühling bis zum Herbst: ein Wildblumenstand am Wochenmarkt, Führungen, Degustationen und Vorträge. Insgesamt fanden 10 Anlässe mit durchgehend guter Beteiligung statt. Auch der «Aarauer Umweltpreis» stand dieses Jahr ganz im Zeichen von «Natur findet Stadt». 20 Gartenbesitzerinnen und -besitzer meldeten ihr «Gartenparadies» an. Unter den acht besten Gärten musste schliesslich das Los entscheiden. Mit gut sichtbaren Plaketten wurden alle für den Umweltpreis angemeldeten Naturgärten ausgezeichnet. So wurden neugierige Passantinnen und Passanten auf die Naturgartenperlen aufmerksam gemacht. Diese Werbung hat Wirkung gezeigt: bis im Oktober haben sich insgesamt 71 Interessierte für das Projekt «Natur findet Stadt» angemeldet! Davon haben 58 schon von einer kostenlosen Gartenberatung profitiert und in mehr als 30 Gärten oder Balkonen wurden bereits kleinere und grössere Massnahmen umgesetzt.

Wirkungsvoll in Mellingen
In Mellingen startete »Natur findet Stadt» im Herbst 2018 mit der Einweihung einer durch Steinkörbe für Mauer- und Zauneidechsen aufgewerteten Mauer. Hier wird das Projekt tatkräftig durch den Natur- und Vogelschutzverein Mellingen unterstützt. Um den Aufwand besser abschätzen zu können, beschlossen der Vereinsvertreter und die Gemeinde, die Anzahl der Teilnehmenden vorerst zu beschränken. Die 5 für diesen Herbst geplanten Gartenberatungen konnten bereits durchgeführt werden. Pro Jahr sollen künftig 12 Interessierte mitmachen können. Auch die Gemeinde selbst geht weiter als Vorbild voran und will im Frühjahr 2019 zusammen mit Schulkindern eine Hecke beim Friedhof aufwerten. Weiter Aktionen sind bereits in Planung.

Grosses Interesse in Wohlen
In Wohlen startete das Projekt im Frühling 2018 und der Naturmärt am 5. Mai im Park des Strohmuseums wurde gleich als Startschuss genutzt. Der Natur- und Vogelschutzverein Wohlen, der das Projekt aktiv unterstützt, informierte die Markt-Besuchenden über das Projekt «Natur findet Stadt», den Nutzen von einheimischen Pflanzen, naturnahe Gartengestaltung und Nisthilfen für Vögel. Das Interesse war gross, und die 12 Anmeldungen für das Projekt überstiegen alle Erwartungen. Gerechnet wurde anfangs mit wenigen Anmeldungen und einfachen Fragestellungen, die direkt durch Mitglieder des NVW beantwortet werden können. Die meisten Beratungen wurden dann aber von ausgewiesenen Fachleuten durchgeführt, dafür wurden drei Naturgärtner verpflichtet. In Zukunft sollen weitere lokale Gärtnerinnen und Gärtner, nicht nur Naturgärtner, ins Projekt einbezogen werden. Weiteres Interesse wurde mit dem Gartenrundgang durch verschiedene Gärten am 13. Juni 2018 geweckt. Die rund 60 Teilnehmenden liessen sich von den Gartenbesitzerinnen und -besitzern durch lauschige Gartenecken zu wilden Hecken und bunten Blumenwiesen führen und konnten ihre Fragen von Fachleuten beantworten lassen. Weitere acht Anmeldungen für das Projekt kamen über das Jahr hinzu. Zusätzlich suchte der Natur- und Vogelschutzverein Wohlen auch Gärten mit bestehenden naturnahen Ecken, die ebenfalls mit der orangefarbenen Projektplakette ausgezeichnet wurden und der Sensibilisierung von Passantinnen und Passanten sowie der Bekanntmachung von «Natur findet Stadt» dienen. Bereits 9 solche Gärten konnten ausgezeichnet werden. Auch die Gemeinde selbst war fleissig. Mit der Aufwertung einer Strassenbegleitrabatte an der Turmstrasse zeigt sie, wie wenig es braucht, um eine Fläche naturnah zu gestalten. Die kranken Eschen wurden durch einheimischen Berg- und Feldahorn ersetzt, darunter ein Schotterrasen angelegt und mit einer einheimischen, standortgerechten Blumenmischung angesät. Einheimische, standortgerechte Wildsträucher ergänzen das Ganze. Im Herbst wurden weitere Flächen an der Allmendstrasse und am Sorenbühlweg neu geschaffen oder ökologisch aufgewertet, dies im Zusammenhang mit einer Strassensanierung und dem Projekt Sanierung der Badi und Neubau der Eishalle. Kranke Bäume wurden durch Ahorne, Buchen und Eichen ersetzt, mit alten Stämmen eine Altholzinsel angelegt und Rabatten mit einheimischen, standortgerechten Wildsträuchern bepflanzt. Ergänzt wird die Anlage im Frühling 2019 durch einen Blumenrasen.

Testlauf bestanden
Das Projekt «Natur findet Stadt», das vor vier Jahren in Baden mit Unterstützung des Kantons entwickelt und erstmals durchgeführt wurde, hat 2018 den Testlauf für die Tauglichkeit in mittleren und grossen Gemeinden bestanden. Der Start in Aarau, Mellingen und Wohlen stimmt zuversichtlich. Das Jahr 2019 wird zeigen, ob auch kleinere Gemeinden auf den Zug aufspringen und mitmachen werden. Bereits hat der Jurapark Aargau Unterstützung für die Gewinnung von Jurapark-Gemeinden angeboten.

So geht es 2019 weiter
Auch in diesem Jahr geht es bunt und lebhaft zu und her. Aarau, Mellingen und Wohlen führen das Projekt weiter. Zudem bietet die Geschäftsstelle des Juraparks den Parkgemeinden ihre Unterstützung an. Sie berät teilnehmende Gemeinden und beteiligt sich an der Kommunikationsarbeit mit den Gartenbesitzern. Die ersten Jurapark-Gemeinden haben ihr Interesse angemeldet. Neu dabei sein wird auch die Gemeinde Rothrist. Türöffner waren oft Mitglieder der lokalen Landschaftskommissionen oder Naturschutzvereine. Sie konnten das Projekt «Natur findet Stadt» dem Gemeinderat vorstellen und diesen überzeugen, dass die Gemeinde mit der Teilnahme an Standortqualität gewinnt. Denn eine naturnahe Gemeinde ist attraktiv für Menschen, Tiere und Pflanzen. Die Gemeinde Küttigen kann gleich von den Synergien mit den neu erstellten Naturmodulen profitieren. Das Einrichten von Naturmodulen gilt als Aufwertung öffentlicher Grünflächen. Naturmodule sind gestaltete Elemente zur Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum. So sieht ein Wildbienenhaus nicht nur hölzern und «gebastelt» aus, sondern die Nisthilfen sind in elegante Holzbalken eingelassen. Ein Wildbienenhaus wird so zum Kunstwerk für den eigenen Garten.

pd


Weitere Informationen zu «Natur findet statt» finden interessierte Privatpersonen und Gemeinden unter www.naturfindetstadt.ch

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