«Wir brauchen einen altersneutralen Arbeitsmarkt»

Save 50Plus Schweiz schafft neue Zukunftsperspektiven für ältere Arbeitnehmer/innen

Daniel G. Neugart, 55, ist Präsident und Geschäftsführer von Save 50Plus Schweiz und engagiert sich für Arbeitnehmerinnen und -nehmer, die wegen ihres Alters keine Stelle mehr finden. Er hilft ihnen mit Selbstintegrationsprogrammen ein Netzwerk aufzubauen und sich besser zu vermarkten. Dabei steht er in engem Kontakt mit Arbeitgebern und Politikern und vertritt die Interessen seiner Generation.

bawo_Es braucht einen altersneutralen Arbeitsmarkt, findet Daniel G. Neugart von Save 50Plus (Bild zVg)

(Bilder: zVg) Es braucht einen altersneutralen Arbeitsmarkt, findet Daniel G. Neugart von Save 50Plus.

Immer mehr Arbeitskräfte im reiferen Alter verlieren ihren Job. So ging es auch Daniel G. Neugart. Der Sohn eines Basler Milchmannes lernte Bäcker, machte daraufhin eine Malerlehre und führte 10 Jahre ein eigenes Malergeschäft. Danach arbeitete er erfolgreich im Verkauf für Bauwerkstoffe. Eine eindrückliche Laufbahn. Trotzdem stand er mit 40 das erste Mal auf der Strasse. «Schon damals fragte ich mich: was wird erst mit 50 Jahren los sein, wenn ich schon jetzt arbeitslos bin», erinnert sich Neugart. Doch er kämpfte. Auf eigene Faust zog er sich Aufträge als Coach, externer Berater und Troubleshooter an Land. Und baute sich damit eine neue Karriere auf. Aber was machen Menschen, die nicht so viel Energie und Ideen haben und lange vor ihrer Pension mit der Arbeitslosigkeit konfrontiert werden? «Zu qualifiziert» und «zu teuer» heisst es bei Bewerbungen von über 50-Jährigen immer wieder. «Das Argument, die Alten seien wegen der Sozialabgaben zu teuer, ist sehr kurzsichtig. Wenn ein über 50-Jähriger ausgesteuert ist und aufs Sozialamt muss, wird er erst recht unbezahlbar», ärgert sich Neugart und prognostiziert, «mit dieser Vorgehensweise kommt es in wenigen Jahren zu einem Desaster. Bereits heute macht das demografische Segment zwischen 40 Jahren und Rente über einen Drittel der Gesellschaft aus. Der Arbeitsmarkt bewegt sich in eine Richtung, die für alle ungesund ist. Das sind sich sowohl Politiker als auch relevante Marktteilnehmer bewusst. Aber niemand handelt.» Neugart macht sich an verschiedenen Fronten für den Wiedereinstieg von über 50-Jährigen ins Berufsleben stark. Mit dem Verband  «Save 50plus Schweiz» bietet er Schulungen für Stellensuchende an und führt sie für Gespräche mit potenziellen Arbeitgebern zusammen, zu denen er enge Kontakte pflegt. Zudem mobilisiert er Wirtschafsträger und Politiker, etwas gegen die sich zuspitzende Problematik der Altersarbeitslosigkeit zu unternehmen. «Wir brauchen einen altersneutralen Arbeitsmarkt mit einheitlichen BVG-Beiträgen für Jung und Alt und gleichen Löhnen für gleiche Leistungen. Nur so haben künftig alle Leute dieselben Chancen bei der Arbeitssuche», ist Neugart überzeugt.

bawo_Daniel G. Neugart, Präsident des Verbands Save 50Plus Schweiz (Bild zVg)

Daniel G. Neugart, Präsident des Verbands Save 50Plus Schweiz.

Mehr Offenheit auf allen Seiten gefragt
Wer seinen Job verliert, gerät seelisch in ein Tief. Wut, Traurigkeit, Enttäuschung und Unsicherheit sind berechtigt und brauchen Raum und Zeit. Man hat plötzlich keine Aufgabe mehr und fühlt sich allein. Wichtig ist es aber, nicht in dieser negativen Haltung zu verharren. «Je  schneller jemand wieder aktiv wird, desto besser sind seine Chancen, sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren», sagt Neugart aus Erfahrung. In seinem Selbstintegrationsprogramm «My Way 50Plus» werden über 50-Jährige Stellensuchende mit Fachseminaren auf den direkten Kontakt mit relevanten Arbeitgebern vorbereitet.  Gleichzeitig zeigt er den Stellensuchenden neue Perspektiven auf. «Der heutige Arbeitsmarkt ist ein Auslaufmodell. Ein Arbeitnehmer muss sein Potenzial wie ein Dienstleister auf dem Markt anbieten – natürlich zu einem angemessenen Preis, der gesetzeskonform ist.» Auch Flexibilität spielt gemäss Neugart eine grosse Rolle: «Wenn für einen Job nur ein Teil der Kompetenzen gefragt ist, die man zu bieten hat, sollte man trotzdem offen sein. Und sich auch über einen Teilzeitjob oder Jobsharing Gedanken machen. Wer am Schluss gewinnen will, muss erst Mal den Fuss zwischen die Türe bekommen.» Neugarts Stärke ist es, den Leuten Motivation und neue Perspektiven zu geben. Eine seiner Kernphilosophien ist verblüffend einfach: «Wisse, was Du am besten kannst und gehe damit dorthin, wo es am meisten gefragt ist.» Zahlreiche Organisationen und Firmen sind Kooperationspartner von «Save 50Plus Schweiz», weil sie die Potenziale erfahrener Arbeitskräfte schätzen.
Das Selbstintegrationsprogramm «My Way 50Plus» mit insgesamt sechs Modulen kostet pro Person 2600 Franken. Damit auch finanziell schwach gestellte Menschen daran teilnehmen können, sucht Neugart laufend Patenschaften bei Firmen. Dass er vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum RAV keinerlei Unterstützung erhält, enttäuscht ihn. «Gerade dort könnte man am meisten von unserer Initiative profitieren.» An der jährlichen nationalen Konferenz für Alter und Arbeit präsentiert Save 50Plus Schweiz dem Bundesrat jeweils neue Lösungswege und setzt Anreize für die Wirtschaft, damit ältere Berufsleute auf dem Arbeitsmarkt wieder bessere Chancen haben. Bisher leider ohne Erfolg. «Das Problem wurde bisher von oberster Stelle an das Seco und von dort auf die Kantone abgeschoben. Niemand will die Verantwortung übernehmen», bekundet Neugart ernüchtert und sagt, «das ist der Grund, warum wir unser Leben selber in die Hand nehmen müssen.»

Save 50Plus Schweiz
Kirchgässli 8
4310 Rheinfelden
Tel. 061 361 50 05
info@save50plus.ch
www.save50plus.ch

Ursula Burgherr

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