Trockene Augen im Herbst und Winter

    Ratgeber: augenpraxis smartlook

    Frau Doktor, es kratzt, juckt, brennt, Sandgefühl, Rötungen, müde Augen, Druckgefühl, überlaufende ( = tränende ) Augen, verschwommenes Sehen, unmöglich lange lesen zu können. All das sind Symptome einer in der heutigen Zeit sehr häufigen Erkrankung: Trockene Augen.

    (Bild: ptaheute.de) Der Aufbau des Tränenfilms

    Etwas kurios, von einem trockenen Augen zu reden, wenn es tränt? Hat mich der Arzt nicht verstanden? Um dies besser verstehen zu können, reden wir heute nicht mehr von einem trockenen Auge, sondern von Oberflächenbenetzungsstörung des Auges.

    Trockene Augen können diverse Ursachen haben und sie sind eine der häufigsten Augenerkrankungen überhaupt. Speziell in den Jahreszeiten Herbst und Winter wird dieses Problem deutlich häufiger festgestellt. Dies kommt daher, dass in den kühleren Jahreszeiten geheizt wird und man sich häufiger in Räumlichkeiten als Draussen aufhält. Im allgemeinen ist die Luftfeuchtigkeit im Winter tiefer als z.B. im Sommer, wenn es wärmer ist. In Räumlichkeiten, in denen geheizt wird, wird der Hausstaub aufgewirbelt. Dieser ist trocken und verursacht nicht nur trockene, gereizte Augen, sondern auch trockene Haut und Schleimhäute.

    Ein trockenes Auge entsteht – ausgelöst durch eine Oberflächenbenetzungsstörung – welcher wiederum eine Instabilität des Tränenfilms zu Grunde liegt (Tränenfilm reisst auf).

    Der Tränenfilm am Auge hat mehrere Aufgaben: Zum einen erhält der Tränenfilm die optische Oberfläche des Auges aufrecht, hält die Augen feucht und reinigt diese, liefert dem Auge Nährstoffe und Sauerstoff. Der Tränenfilm ist ausserdem die äusserste Barriere zur Umgebung und dient als Schutz gegen Krankheitserreger.

    Von tränende Augen oder auch Weinen spricht man, wenn mehr Tränen fliessen, als regulär über die Tränenwege abgeleitet werden können und daher die Tränen über die Wange laufen. Entweder werden zu viele Tränen gebildet oder die Tränen-Abflusswege sind verengt oder verschlossen. Bei zu vielen Tränen handelt es sich entweder um einen mechanisch-chemischen Reiz an der Oberfläche z.B. durch beißende Dämpfe, um eine Reaktion auf Umwelteinflüsse beziehungsweise schlechte Luftqualität (Ozon), Staub, Russ, zu wenig Luftfeuchtigkeit, eine überempfindliche Augen-Oberfläche. Verletzungen der Hornhautoberfläche durch Fremdkörper oder Kratzer (Erosio) führen zu einer reflexartigen Steigerung der Tränenproduktion. Die Folge sind überlaufende, tränende Augen. Aber auch emotionale Reaktionen (Wut, Trauer, Enttäuschung etc.) oder Verstopfungen der ableitenden Tränenwege führen zu überlaufenden, tränenden Augen. Verstopfte Tränenabflusskanäle beziehungsweise Verschlüsse der ableitenden Tränenwege sind weit weniger häufig als vom medizinischen Laien angenommen.

    Um eine gleichmässige Befeuchtung der Augenoberfläche zu gewährleisten ist neben einer ausreichenden Tränenmenge und Tränenqualität zusätzlich ein normal funktionierender Lidapparat notwendig, das heisst Fehlstellungen im Bereich der Lider können ebenfalls zu tränenden Augen führen.

    Das «trockene» Auge ist eine häufige Ursache für tränende Augen. Meistens kommt es nach einer Phase von Trockenheit, als Reaktion zu einer überschiessenden Tränenproduktion. Diese Tränenmenge kann dann momentan nicht an der Augenoberfläche gehalten werden, was zu tränenden Augen führt.

    Veränderte oder schlechte Tränenfilm-Zusammensetzung:
    Bei Störungen der Lipidproduktion im Bereich der Lidränder kann es zu einer Störung der Tränenzusammensetzung und damit zu ungenügender Tränenqualität kommen. Als Folge können die Tränen weniger lang an der Augenoberfläche verbleiben bei gleichzeitig vermehrter Produktion des Wasseranteiles.

    Wie kann man Oberflächenbenetzungsstörungen entgegenwirken?
    Es gibt verschiedene Wege um trockenen Augen vorzubeugen oder die Symptome zu lindern. Damit die Luftfeuchtigkeit im Winter in den Räumen nicht zu tief fällt, kann es sinnvoll sein einen Luftbefeuchter einzusetzen. Auch Zimmerpflanzen können die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Genügend trinken (2.5L pro Tag) ist im Allgemeinen gut und gesund – dies nicht nur bei trockenen Augen. Bewusstes Blinzeln hilft den Tränenfilm in Takt zu halten. Wer sich im Fernseher einen spannenden Film anschaut oder stundenlang am PC arbeitet, sollte zwischendurch auf die Seite schauen damit der Tränenfilm aufrechterhalten werden kann. Starres geradeaus schauen ist ein Tränenfilmkiller. Falls diese Massnahmen nicht den gewünschten Effekt bringen, kann auch mit diversen befeuchtenden Augentropfen, Augengels oder Augensalben gegen trockene Augen vorgegangen werden. Auf dem Markt sind über 80 unterschiedliche Produkte zur Befeuchtung der Augen verfügbar. Zur Auswahl eines Produktes gilt: am besten konservierungsmittelfreie Augentropfen, da die Konservierungsmittel über längere Zeit eingesetzt, ebenfalls zum trockenen Auge führen können. Hilfe aus Grossmutters Kistchen ist auch heute noch angesagt: lauwarme Schwarzteeumschläge helfen stets in den schlimmsten Momenten.

    Da verschiedene Ursachen ein trockenes Auge verursachen können, und wenn jemand bereits diverse befeuchtende Mittel ausprobiert hat ohne einen gewünschten Effekt erzielt zu haben, sollte besser einen Augenarzt aufsuchen.

    Es vergehen Monate bis Jahre im Voraus bis Trockenheits-Symptome auf Grund einer Oberflächenbenetzungsstörung auftreten. Entsprechned dauert es bei einer Behandlung lange, bis sich der Tränenfilm wieder einigermassen stabilisiert. Da sich Wetterlage, Tätigkeit, psychischer Zustand des Betroffenen immer wieder ändern, wird die Stabilität des Tränenfilms immer wieder mit Rückschlägen dotiert sein. So ist es absolut empfehlenswert, die oben aufgeführten medikamentlosen Tipps auch während und nach einer Behandlung zu beachten.

    Dr. Eva Vrbka


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