«Ohne Mozart und Mahler könnte ich nicht leben»

Der Norwegische Dirigent Rune Bergmann ist nicht nur eine energiegeladene und fesselnde Persönlichkeit auf der Bühne, sondern auch ein dynamischer und vielseitiger Dirigent mit einem umfassenden Repertoire in der Opernmusik, sowie in der Orchestermusik der Klassik, Romantik und Moderne. Er gilt heute als einer der talentiertesten jungen Dirigenten Skandinaviens. Der 43-jährige Norweger wird ab 1. Juli 2020 neuer Chefdirigent des argovia philharmonic und somit Nachfolger von Douglas Bostock, der das Orchester zum Ende der Saison 2018/19 hin nach 18 Jahren verlässt.

(Bild: Kristin Hoebermann) Seine Herzlichkeit verbunden mit Entspanntheit machen Rune Bergmann zu einem aussenordentlichen Dirigenten.

Sie sind zum neuen Chefdirigenten des Aargauer Symphonie Orchesters argovia philharmonic gewählt worden. Was bedeutet Ihnen dieses Amt?
Rune Bergmann: Seit ich das Orchester zum ersten Mal als Dirigent erlebt habe, war es mein Traum, mit ihm enger zusammenzuarbeiten. Es sind wunderbare Musiker und wunderbare Menschen und ich kann es kaum erwarten.

Sie sind der Nachfolger von Douglas Bostock, der nach 18 Jahren das Orchester verlässt. Ist dies ein schwieriges Erbe, das Sie hier antreten?
Nein, gar nicht. Denn hier geht es nicht um einen Wettbewerb der Dirigenten, sondern darum, die Reise des Orchesters, die Douglas Bostock 18 Jahre lang so wunderbar begleitet hat, weiter fortzusetzen. Mir ist es eine Ehre, sein Nachfolger zu sein.

Wie haben Sie das argovia philharmonic kennengelernt?
Der Intendant des Orchesters Christian Weidmann kam nach Norwegen, um eine Aufführung von mir an der Norwegischen Nationaloper in Oslo zu sehen. Er hat mir von dem Orchester in Aarau erzählt und mich für ein Gastdirigat eingeladen. Ich interessierte mich sofort sehr für das Orchester.

In ihrer jungen Karriere haben Sie bereits bei zahlreichen Orchestern in Nordamerika und Europa gastiert. Was schätzen Sie besonders am argovia philharmonic?
Ich schätze besonders die Kombination aus Offenheit und Professionalität unter den Musikern, die innovative Administration und die hohe Flexibilität in der Planung und Gestaltung der Arbeitsphasen.

(Bild: Patrick Hürlimann) Wenn Rune Bergmann dirigiert (hier im Kultur- und Kongresshaus Aarau), sprüht er vor Energie und Lust an der Musik: «Jeder und jede im Publikum soll unsere persönliche Beteiligung fühlen und spüren, dass das hier das «argovia philharmonic»-Erlebnis ist.»

Sie treten Ihr Amt am 1. Juli 2020 an. Bei welchen musikalischen Projekten sind Sie bis dann noch engagiert?
Neben einer Reihe von Gastdirigaten werde ich meine Verpflichtungen als Chefdirigent der Philharmonie Stettin sowie des Calgary Philharmonic Orchestra wahrnehmen.

Wissen Sie bereits welchen musikalischen Weg Sie mit dem argovia philharmonic einschlagen möchten, respektive wo sie den Fokus setzen werden?
Das weiss ich schon, möchte es aber noch nicht verraten. Nur so viel: Man darf gespannt sein auf ein interessantes und abwechslungsreiches Programm.Wir arbeiten intensiv an den Plänen für die erste Saison.

Was erachten Sie bei Ihrer Arbeit als Dirigent als grösste Herausforderung?
Für mich ist es eine besondere Herausforderung, alle Beteiligten wirklich zu einem aktiven Teil der Aufführung zu machen und alle hinter einem gemeinsamen musikalischen Ziel zu versammeln. So entsteht auch bei grossen Besetzungen eine Art Kammermusik und ein für die Zuhörer faszinierendes musikalisches Ergebnis.

Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf besonders?
Die Musik aufzuführen, die ich liebe, durch die Welt zu reisen und wunderbare Menschen zu treffen.

Welche klassischen Werke sprechen Sie persönlich am meisten an?
Ich schätze viele Werke und Komponisten, aber ohne Wolfgang Amadeus Mozart und Gustav Mahler könnte ich nicht leben.

Interview: Corinne Remund

www.argoviaphil.ch


Zur Person

Rune Bergmann ist im norwegischen 8000-Seelen-Städtchen Sykkylven aufgewachsen. Sein Vater war Zeitungs-Verleger. Er studierte an der Sweden’s Royal College of Music Chor- und Orchesterleitung. Absolviert hat Rune Bergmann sein Studium magna cum laude an der Sibelius Academy in Helsinki (Finnland), wo er bei Leif Segerstam studierte, dem emeritierten Chefdirigenten des Helsinki Philharmonic Orchestra, sowie dem ehemaligen Dirigenten des Radio-Symphonieorchesters Wien, des Radio-Symphonieorchesters Finnland und des Nationalen Symphonieorchesters in Dänemark. Anschliessend wurde er Generalmusikdirektor der Oper in Augsburg. Heute pendelt er zwischen den Kontinenten als Chefdirigent der Calgary Philharmonic (Kanada), der Szczecin Philharmonic (Polen) und seinem Wohnort nahe Oslo. Der Vater von drei Söhnen im Alter von fünf bis zehn Jahren, gilt als ein multitalentierter Musiker, der auch Trompete, Klavier, Violine und Viola spielt.

CR

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